Summer Jamboree 2004 - Senigallia

Eine Woche Rock’n’Roll-Sommerurlaub mit 20 Bands, 25 DJs an 8 verschiedenen „Locations“ in einem gutbesuchten italienischen Ferienort und das mitten in der Hauptsaison . . .
Das hörte sich Monate zuvor, zu Hause im kalten Deutschland, alles fast zu schön an?
Um es nicht zu spannend zu machen, fassen wir mal kurz zusammen: es war genauso gut, wie es sich anhörte!

Senigallia „rockt“
Der 16. August 2004 verlief wie ein ganz normaler Montag in der netten, sonnigen Urlaubsstadt „Senigallia“ an der Adria-Küste. Mehrere tausend, vorwiegend italienische Touristen flanierten am Abend mal wieder gemütlich die kilometerlange Strandpromenade auf und ab.

Auf Höhe des Strandcafes ´Mas Cal Zone` gab es auf der allabendlichen Bummelstrecke plötzlich einen Stau. Zähfließenden Flanierverkehr ist man hier gewöhnt, aber nun blockierte eine riesige Mas Cal Zone etwa 0.00 UhrMenschentraube nicht nur die Strandpromenade, sondern auch noch die parallel verlaufende Strand-Straße.

Anziehungspunkt des enormen Interesses war ein ordinäres Beach-Volleyball-Feld. Die staunende Menschenmenge drängte sich an den vier Meter hohen Fangnetzen, die ansonsten fehlgeschlagene Volleybälle daran hindern auf die Promenade zu entweichen. Aber kein hochklassiges Volleyballspiel stand auf dem Programm, sondern die Eröffnungs-Party des fünften `Summer Jamboree’ in Senigallia.

Mas Cal Zone etwa 0.30 UhrEtwa 400 Rock’n’Roller tummelten sich im Sand zwischen einer Tiki-Cocktailbar und einer großen Open-Air-Bühne. Drei DJ’s, zwei Bands, feiner Sandstrand, kühle Cocktails und warme 26 Grad in der Nacht waren die Zutaten für einen gelungenen Auftakt, dem sechs ereignisreiche Rock’n’Roll-Urlaubstage folgen sollten.

Die Musik der 40er und 50er Jahre sowie alles drum herum, was Spaß macht zu bieten, das hatten sich die Veranstalter zum Motto gemacht. Das Ganze kam auch im fünften Jahr bei „normalen“ Besuchern immer besser an. Angst vor Zuschauern durfte man also nicht haben. Die anfangs überraschten italienischen Urlauber gingen jedoch schnell wieder ihrer üblichen Abendbeschäftigungen nach: auf der Promenade und in der Altstadt Flanieren, Eis Essen und dann wieder Flanieren.

Das Konzept
Die meisten Rock’n’Roll-Meetings finden abgeschieden und weitgehend unbeobachtet vom öffentlichen Leben statt. Das Szenepublikum ist also in aller Regel unter sich. Wann findet aber mal ein größeres Konzert oder Meeting auf einem belebten Platz statt, zugänglich für „Jedermann“? Record Hop im Mam Mia Music ClubGerade diese Kombination aus „normalem“ Sommerurlaub mit „normalen“ Gästen und einem erstklassigem Rock’n’Roll-Meeting, machte für uns den besonderen Flair der Veranstaltung aus.

Die "Locations“
Aber auch wer „unter sich“ bleiben wollte, hatte dazu reichlich Gelegenheit. Von Dienstag bis Samstag fanden die Konzerte ab 19 Uhr an unterschiedlichen öffentlichen „Locations“, meistens direkt am Meer, statt. Ab 1 Uhr nachts ging es dann in etwas abgelegeneren Clubs weiter („Mama Mia“ und „Finis Africae“). Hier war dann weitestgehend nur noch die Szene vertreten und konnte bis in den Morgen Party feiern.

Für Unersättliche wurde ab 11 Uhr morgens ein Record Hop im Strandcafe angeboten. Sonst eher von „Disco-Publikum“ bevölkert, war das „Mas Cal Zone“ nun den ganzen Tag über fest in der Hand von Rock’n’Rollern. Mas Cal Zone Record Hop etwa 14 Uhr mittagsWer das Frühstück im Hotel verpasst hatte, konnte es hier, bei einem zum Vorabend passendem Geräuschpegel, nachholen. So muss sich das trainierte Rock’n’Roler-Ohr nie auf „Leise“ umstellen. Natürlich gab es hier auch Mittag- und Abendessen.

Neben dem regulären Programm spielten die Bands in „Jam Sessions on the Road“ auch mal spontan in der Mittagshitze am Strand oder nach einem Konzert als „After Party“. Es soll sogar ein eigenen Radiosender in dieser Woche geben, der permanent Rock’n’Roll dudelt. Wir dachten eher, es gäbe einen eigenen Summer Jamboree Fernsehsender, da ständig 50er und 60er Jahre Filme liefen. Wie sichherausstellte strahlt das italienische Fernsehen „RAI“ in den Sommerferien immer die alten Schinken aus, da im Sommer kaum jemand Fernsehen schaut.

Hier sind wir aber schon beim ersten kleinen Kritikpunkt angekommen. Es wird eine Menge neben den Hauptattraktionen zusätzlich angeboten, aber von vielen Sachen - wie eben dem eigenen Radiosender – weiß keiner was. Um z.B. herauszufinden, wo man den Shuttle Bus zur After Party findet und wann er vielleicht mal wieder zurück fährt muss man höchst investigativ veranlagt sein.

Classic Car Park in derAltstadtDa einige Veranstaltungsorte nicht zu Fuß erreichbar sind - vor allem die After Partys - sollte man mit dem Auto fahren oder sich frühzeitig eine Mitfahrgelegenheit organisieren. Taxen kann man hier getrost als artgeschützte, also seltene Spezies bezeichnen. Die wenigen, die es hier gibt, sind nur tagaktive Dienstleister. Da wir kein Auto dabei hatten, gilt unser tiefster Dank unseren Rettern in der Not mit fahrbarem Untersatz: Simone & Tom und Lilly & Dave!

Wenn wir gerade bei Kritik sind, legen wir noch mal schnell einen Punkt nach: Italienische Toiletten sind generell nicht gerade für ihre Sauberkeit weltberühmt. Kurzum, an den Veranstaltungsorten war die Toilettensituation überaus problematisch. Meist waren zu wenige vorhanden und die auch noch in schlechtem Zustand. Mal sehen, ob die Veranstalter hier in den kommenden Jahren nachbessern.Hauptbühne im Foro Annonario, dem historischen Marktplatz

Zentral gelegen und von Freitag bis Sonntag Veranstaltungsort für die großen Konzerte und Ausstellungsplatz für die Verkaufsstände war die historische, wunderschöne Altstadt. Das alte Kastell (PratoRocca) aus dem Jahr 1400 und der Marktplatz (Foro Annonario) mit seinen Arkaden bildeten eine traumhafte Kulisse für die Abschlußkonzerte.

Rockin Village im Burggraben der RoccaEtwa 100 Meter vom Marktplatz entfernt am lag das „Rockin Village“ mit etwa 30 Verkaufständen im Burggraben des historischen Kastels. Neben einem großen Zelt mit Essen und Getränken fand man hier alles rund um die 40er und 50er Jahre, von Second Hand Klamotten über CDs bis Schuhe.

Ebenfalls nur wenige Meter entfernt parkten die Classic Cars, die am Sonntag geschlossen durch die Stadt und sogar durch die Fußgängerzonen cruisen durften.

„Volles Programm“
Summer Jamboree 2004 hatte viel zu bieten. Wenn man alle Termine mitmachen wollte, kam man kaum zum Schlafen. Zum Glück hatten wir vorher eine Woche Zeit zum „Vorschalfen“ gebucht. Noch eine Woche danach hätte uns allerdings auch noch gut getan.

Wir würden sicherlich im nächsten Jahr noch einmal wieder kommen, wenn es sich irgendwie ergibt. Die Veranstaltung hatte in Italien großen Erfolg und wird immer mehr auch zum internationalen Magneten. Die Besucher-Zuwachsraten im Vergleich zum Vorjahr waren hoch. Wer also mit dem Gedanken spielt sich das Festival anzutun, sollte sich beeilen. Evtl. entwickelt sich die Veranstaltung „zu gut“ und kann den Ansturm in einigen Jahren nicht mehr verkraften.

Die Kombination von Urlaub und Rock’n’Roll-Meeting war für uns genau das Richtige und ist bedingungslos weiter zu empfehlen.


Strandstrasse und Promenade in SenigalliaSenigallia als Urlaubsort
Senigallia ist ein typischer italienischer Ferienort an der Adria Küste, zu dem es in den letzten Jahren hauptsächlich Italiener zieht, Deutsche trifft man dort selten. Besonders schön in Senigallia ist die kilometerlange Strandpromenade mit vielen Restaurants und Cafes. Die breite, schnurgerade verlaufende Straße würde auch gut nach Florida passen und eignet sich für die angereisten Classic Cars perfekt zum Cruisin’.

Altstadt von SenigalliaDie historische Altstadt ist An

lauf- für viele Besucher am Abend, nachdem es wieder zum Flanieren auf die Strandpromenade geht. In den für den Autoverkehr gesperrten Gassen finden sich zahlreiche Geschäfte, Cafes und einige Restaurants. Zu unserem Glück gab es hier keine klassischen Touri-Läden mit jeder Menge Souvenir-Artikeln. Viele Läden griffen das Motto der Veranstaltung auf und dekorierten Ihre Schaufenster mit 50er Jahre Artikeln und Motiven. Einmal in der Woche am Donnerstag Morgen ist Markt in der ganzen Altstadt.

Der Strand ist im Stadtgebiet auf einer Länge von etwa 5 Kilometern feinsandig und breit. Tagsüber sind alle Besucher am Strand und in den Strandcafes. Die Strandabschnitte sind in „Bagnis“ aufgeteilt, die Liegen und Schirme vermieten. Die Preise liegen zwischen 10 und 15 Euro für zwei Liegen und Buchung einer ganzen Woche. Einfach mal sich mit dem Handtuch irgendwo hinzulegen ist schwierig und wird von den Bademeistern nicht gerne gesehen.

Hier findet ihr eine Übersicht der Hotels in Senigallia und einen Lageplan

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